27 Mai

Wie man ein Kompakt-Overall auf die Beine stellt

Nach den Erfahrungen mit dem Kompakt-Overall 2018 in Köln sowie 2019 in Bielefeld kann ich sagen: Das ist absolut überschaubar in der Machbarkeit! Ich mag hier einmal festhalten, wie die einzelnen Disziplinen abgelaufen sind, was geholfen hat und was zu beachten war.

In Bielefeld sind die örtlichen Gegebenheiten so, dass wir am ersten Tag rund um den vorhandenen Discgolf-Parcours die Disziplinen Accuracy, Distance, Discgolf und Freestyle gespielt haben, und am Sonntag dann in und um die Radrennbahn die Disziplinen Discathon, Self Caught Flight und Double Disc Court.

Accuracy

Eigentlich sollten die Tage andersrum sein, aber um für eine Radsportveranstaltung die Bahn freizumachen, haben wir getauscht – im ursprünglichen Plan hätten wir auch Accuracy auf einem gepflegten Rasen gespielt, und das wäre auch gut gewesen!

Ansonsten lief das super. Mit 11 Teilnehmenden haben wir nur 1 Ziel bespielt und waren innerhalb des Zeitplans (2h) fertig. Die Abwürfe haben wir mit Hütchen markiert. Alles sehr straightforward und einfach umzusetzen.

Aufbau: Halbe Stunde, allerdings braucht man natürlich ein Auto, um so ein Ziel zu transportieren.

Distance

Distance wird ganz klar da gespielt, wo auch Discgolf gespielt wird, denn da hat man üblicherweise mindestens eine lange Bahn. Den Abwurf haben wir wieder mit Hütchen markiert, und die Anschaffung des Laser-Rangefinders (90€) im letzten Jahr trägt immer noch!

Auch hier: Keine besonderen Erkenntnisse, das hat so geklappt wie gewollt. Ist übrigens auch eine sehr schnelle Disziplin, die angesetzte Stunde haben wir nicht mal gebraucht, weil in Gruppen (von 3-4 Leuten) innerhalb von 2,5 Minuten gespielt wird. Mit messen und Scheiben einsammeln sagen wir mal großzügig 10 Minuten pro Gruppe.

Discgolf

Beim Discgolf war interessant, dass der zuständige Discgolfer der Meinung war, in 2h schaffe man vermutlich 2 Runden. Dies ist mit Leuten, die nicht so oft Discgolf spielen, aber überhaupt nicht so! Einmal 12 Körbe hat die 2h fast voll gemacht, hier muss man also nicht übertreiben!

Ansonsten: Scorecards vorbereitet und den Kurs markiert, weil in Bielefeld wegen der Vogelbrut gerade nicht alle Bahnen bespielbar sind und andere Bahnen erdacht wurden.

Freestyle

Beim Freestyle haben wir dieses Jahr in meinen Augen das Format gefunden, das sich absolut perfekt für’s Overall eignet! Beim Super Pro treten 2 Leute im K.O.-System gegeneinander an, und die Zuschauenden entscheiden durch Applaus, wer weiterkommt.

Man hat 3 Versuche, mit einer zugeworfenen Scheibe seinen besten Trick zu zeigen. Kann das Publikum keine klare Entscheidung bieten, gibt es ein Stechen und beide Spielenden bekommen nochmal einen einzelnen Versuch.

Das Ganze wurde durch 2 Ideen von Martin Höser sehr bereichert: Zum einen wurde ein Double-Knockout gespielt, sodass jede Person mindestens 2x dran war, und zum anderen waren die Scheiben frei wählbar, und auch mit XDiscs durfte gespielt werden! Das sind Scheiben, die in der Mitte eine Vertiefung haben und so den Nail Delay nicht mehr vorraussetzen. Die Leute mit Freestyle Erfahrung haben normale Freestyle-Scheiben genommen, aber die Anfänger konnten dank der XDiscs auch Tricks zeigen!

In meinen Augen ein Geniestreich: Freestyle sollte kein Test sein, ob man den Nail Delay kann, sondern sollte unter allen, die spielen wollen, kreativen Ausdruck und coole Moves ermöglichen. Gerade beim Overall, wo auch neue Leute Freestyle ausprobieren, ist es so für alle Beteiligten spaßig und weder blamabel (für die Neulinge) noch langweilig (für die Pros). Im Zweifelsfall bekommen so auch Leute Lust, Freestyle zu spielen!

Richtig gute Sache, ich hab sofort ein paar XDiscs bestellt!

Discathon

Discathon war vorher die Disziplin, wo ich vor der Planung am meisten Bammel hatte… die Kennzeichnung des Kurses mit Schildern hat in Köln beim ersten Kompakt-Overall total viel Zeit verschlungen.

Aber diesmal ging es dank Kreidespray sehr einfach! Mit dieser sprühbaren Kreide konnte man den Boden markieren, um mit Pfeilen die nötigen Wege zu kennzeichnen. Ich hatte weiß und pink gekauft: mit weiß wurden die regulären Wege gekennzeichnet, mit pink die Tests. Die weiße Dose hat genau gereicht für alle Pfeile, ich war trotzdem froh die zweite noch in petto zu haben! Die Kreide wird vom Regen wieder weggewaschen und ist nach meiner Recherche ökologisch weitgehend unbedenklich.

Für’s nächste Mal würde ich für die weiteren Würfe doch noch Schilder mitbringen, weil man die Pfeile auf dem Boden aus der Entfernung nicht perfekt sehen kann.

So jedenfalls geht das super mit der Vorbereitung, in 1/2 Stunde war der Kurs ausgezeichnet!

Self Caught Flight

4 Stoppuhren und ein Rasenplatz, da muss man gar nicht viel zu sagen. Ging absolut problemlos über die Bühne.

Double Disc Court

DDC hat auch super geklappt. Logischerweise braucht man Felder in ausreichender Stückzahl. Da wir jetzt nur 10 DDC-Spielende waren, war es überhaupt kein Problem. Für ein volles Kompakt-Overall mit 24 Teilnehmern hätten wir nicht ausreichend Platz gehabt, um alle gleichzeitig spielen zu lassen, da muss ich noch ein bisschen drüber nachdenken. Ich vermute, man würde die 12 Teams auf 2 getrennte Pools aufteilen, die dann nacheinander spielen, möglicherweise sogar so:

Gruppe 1 (12 TN)Gruppe 2 (12 TN)
DDC Pool 1 (5 Runden bis 11)Discathon
DiscathonDDC Pool 2 (5 Runden bis 11)

Danach würden dann im besten Fall die 8 Bestplatzierten noch Halbfinale und Finale spielen… wird natürlich lang, aber andererseits werden Discathon und Freestyle auch länger bei mehr Teilnehmenden. So würden jedenfalls 3 Felder genügen, und 3 Felder kriegt man auf unsere Radrennbahn! Manche Sportplätze haben möglicherweise auch Platz für 4 Courts, dann kann man 16 Leute noch gleichzeitig abfrühstücken.

Abschlussbemerkungen

Einen absolut wesentlichen Anteil daran, dass das alles so gut ging, waren die Helfer*innen: Die Zuständigkeiten waren wie folgt:

Accuracy – Mark
Distance – Jan
Discgolf – Johann
Freestyle – Martin
Discathon – Jan
SCF – Amrei
DDC – Malte
Verpflegung – Nils
Gesamtleitung – Jan

Ich war nur für 2 Disziplinen zuständig, weil verletzungsbedingt noch ein Helfer ausgefallen war – aber auch so war es sehr stressarm. Ich konnte mich darum kümmern, die Ergebnisse online einzutragen und den Zeitplan im Auge zu haben. Mindestmaß sind in meinen Augen 4 Leute, die helfen: Die Gesamtleitung macht eben die Leitung, und die 4 Helfenden nehmen je zwei von den 7 Disziplinen und irgendjemann kümmert sich um die Verpflegung. Mit 6 Helfer*innen lief dieses Kompakt-Overall schon sehr, sehr flüssig. Und als Gesamtleitung kann man sogar auch ganz okay noch 2 Disziplinen betreuen, wenn man Helfende hat, die vielleicht nur eine Disziplin gut kennen.

Kritisch war im Grunde nur die Verkettung einiger unglücklicher Umstände, die dazu führten, dass von den 20 Personen, die im Laufe der Zeit angemeldet waren, am Ende nur noch 11 gespielt haben. Das ist nicht planbar und hoffentlich auch nicht repräsentativ für weitere Turniere, aber dieses An- und wieder abmelden in dieser hohen Zahl ist für mich in der Planung der schiere Horror gewesen. Alle Scoringhilfen überarbeiten, teilweise Disziplinen neu strukturieren (weil feststand, wer gegen wen spielt)… vielleicht sollte man die Anmeldung erst viel kürzer vorher öffnen und direkt mit einer Zahlung koppeln, damit mehr Verbindlichkeit entsteht.

Soviel jedenfalls zu den Erfahrungen beim Kobi 2019! Hat großen Spaß gemacht, ich denke nächstes Jahr Ende Mai könnte es eine Neuauflage geben!

Übrigens stelle ich das Planungsdokument, die Spielerinfos und Auswertungshilfe gern zur Verfügung, ihr findet sie auf einer eigenen Seite: http://overallfrisbee.de/selber-machen/